Die schnelle Weiterentwicklung der Funktelegraphie und des Funkfernsprechwesens machte es notwendig, die Hauptfunkstelle Norddeich immer wieder mit neuen oder verbesserten Geräten auszurüsten. So wurde, um störende Überlagerungen der Langwelle zu beseitigen, ein neuer Goniometer-Empfänger für Richtempfang eingebaut und im Jahre 1928 in Betrieb genommen.

Den zunehmend auftretenden Störungen durch elektrische Geräte und Maschinen begegnete man durch eine Verlegung der Empfangsantennen auf die Nordseite des Empfangshauses in Westgaste. Ein zweiter 5-kW-Röhrensender traf ein, für den an den Senderaum eine Baracke angebaut werden musste. Bald darauf wurde ein neues, größeres Sendehaus gebaut. Zwei neue Langwellensender von 10 und 20 kW, die für Drehstrombetrieb eingerichtet waren, verlangten den Bau neuer Antennen.

1924 erteilte das Reichspostzentralamt Berlin-Tempelhof (Telegraphentechnisches Reichsamt) einen Auftrag an die „Honnef-Werke AG Dinglingen", zum Bau von vier 150 m hohen, freistehenden Türmen.

Antennen Entwurf
Der Planungsentwurf der Honnef-Werke v. 1924 (Quelle: Virtuelles Brückenhofmuseum)
 
Antennenbau

Antennenbau2









Im Jahr 1925 wurden unter großen Schwierigkeiten (die Baustelle stand unter Hochwasser) drei der vier vorgesehenen Antennentürme erbaut.

 

Antennen vor Umsturz
Die drei fertig gestellte Masten
(und ein sich im Bau befindlicher Mast am rechten Rand)

 

Als der Bau fast vollendet war, legte ein starker Nordoststurm in der Nacht vom 25. zum 26. November alle drei Eisenmasten innerhalb von 30 Minuten um. Glück im Unglück war es, dass die stürzenden Türme nicht die Gebäude trafen und keinen Menschen verletzten.

Antennen umgestuerzt

Die Trümmer der umgestürzten Masten (und der sich im Bau befindliche Mast am rechten Rand)

 

Aber der Sendebetrieb war durch dieses Unglück schwer betroffen. Die neuen Langwellensender konnten nicht in Betrieb genommen werden. Man baute aus den Eisenteilen des vierten Mastes zwei 70 m hohe Behelfstürme, die erst 1928 durch drei neue freistehende Masten von 120 m Höhe ersetzt wurden.

Antennen zweite Version

Auf diesem undatierten Foto sind die drei neuen 120 m hohe Masten und, wie ich vermute, die zwei 70 m hohen Behelfstürme (zweiter von rechts und zweiter von links) zu sehen.
 

Nach seinen Berechnungen, die in der Fachzeitschrift DER BAUINGENIEUR vom 10. September 1926 veröffentlicht wurden, kommt Professor Kirchner, Berlin-Steglitz, zu seiner Vermutung, dass eine „Zu niedrige Annahme der Windangriffsflächen“ für dein Einsturz der Türme ursächlich seien. Hier wird auch auf ein Gutachten der Deutschen Seewarte hingewiesen. In der Nacht soll zwar ein recht heftiger (Borkum Windstärke 10-11), jedoch keineswegs ungewöhnlich heftiger Sturm aufgetreten sein. Auch ein „Abdrehen“ der Türme durch Sturmwirbel wird ausgeschlossen.

 
Quellen:
  • Broschüre 50 JAHRE NORDDEICH RADIO
  • Virtuelles Brückenhofmuseum (Herzlichen Dank an Dieter Mechlinski)
  • Fachzeitschrift DER BAUINGENIEUR Heft 37 v. 10. September 1926
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